Hartnäckige Verwitterung

Die Verwitterung zerkleinert mit mechanischen, chemischen und biologischen Kräften das oberflächennahe Gestein an Ort und Stelle. Das Ergebnis der Verwitterung sind mechanisch gesprengte, chemisch veränderte oder chemisch aufgelöste Gesteine.
 

Aufgrund des kalten Klimas spielt in Island die Sprengkraft des Frostes die wichtigste Rolle. Chemische Veränderungen ist wärmeren Orten wie den heissen Quellen vorbehalten. Doch diese Vorgänge werden in der Regel zusammen mit den vulkanischen Prozessen erläutert (mehr «Heisse Schätze»).
 

Die Produkte der Verwitterung werden selten an Ort bleiben, sondern durch die Kräfte des Eises, des Wassers, und des Windes sowie der Schwerkraft abtransportiert. Deshalb formen die Kräfte der Verwitterung und der Erosion die zuvor von Vulkanen aufgebaute Landschaft.
 

Da Klima und Wetter für die nun folgende Verwitterung und Erosion eine wichtige Rolle spielen, zuerst ein Blick hierzu:

 

Verwitterte Kliffs ragen hoch in den Himmel der Ostfjorde. Frost sprengte die Gesteinsbrocken aus dem Fels. Von der Schwerkraft getrieben rollen sie in die Tiefe.

< Fotogalerie

< Past Highlight

< Island – ein Meisterstück der Natur

Hartnäckige Verwitterung

Stetige Erosion

  • Kriechendes Eis

  • Spritzige Wasser

  • Wirbelnde Winde

  • Weisse Gischt

 

Aufregende Wetterlage im Sommer zu später Stunde am Eyjafjörður.

Klima und Wetter auf Island
 

Island liegt in einem kalt-gemässigten und ozeanischen Klima. Zur Zeit unserer Islandfahrten 1996 – 2003 war die Insel noch nicht so stark im Banne der Klimaerwärmung wie heute. Niemand redete von Gletschern, die aufhören zu existieren, nur weil sie zu wenig Firneis produzieren und ihre Eisfläche zu einem eisigen Kleinod zusammengeschrumpft ist.
 

Die Wetterlage ist deutlich instabil und reich an Niederschlägen. Trotzdem bestehen Unterschiede zwischen den einzelnen Landesteilen. Ein Leitsatz für die Island-Fahrenden ist «eine niederschlagsfreie Zone lässt sich auf Island fast immer finden». An einem Tag regnet es selten den ganzen Tag und noch seltener auf der ganzen Insel. 
 

Die Niederschläge kommen mit den südlichen und südöstlichen Winden. Der Süden erhält so deutlich mehr Niederschläge als der Norden. Am Öræfajökull im Süden beträgt die Niederschlagsmenge ungefähr 3‘500 mm, im Norden am Mývatn nur 435 mm.

Indem die feuchten Winde das Hochland überqueren und viel Wasser verlieren, wechseln sie nach und nach in trockenere Fallwinde.

Im Hochland sind die durchschnittlichen Temperaturen deutlich niedriger als an der Küste. Dies hängt nicht nur mit der Höhe über Meer zusammen, sondern auch mit der warmen Meeresströmung des Golfstroms und seinen Fortsetzungen. Diese umströmen besonders den  Westen und Süden von Island. Mit ein Grund, dass die Wintertemperaturen an diesen Küsten vergleichsweise mild ausfallen. Im windigen Hochland dagegen kann die Temperatur im Winter bis -20 Grad sinken , im Sommer gelegentlich auf 0 Grad.

 

Die Sprengkraft des Frostes
 

Durch die langen Frostperioden und die tiefen Temperaturen ist die Frostsprengung im Hochland viel wirksamer als in den Küstengebieten. Trotzdem ist sie auf der ganzen Insel die wichtigste Kraft der Verwitterung.
 

Gefriert das Wasser, so steigt das Volumen um 9 bis 10% an. Füllen sich die Gesteinshohlräume mit Wasser, so kann das gefrierende Wasser durch die Volumenzunahme einen grossen Felsbrocken in kleinere Stücke sprengen. 
 

Das Ergebnis der Verwitterung ist nicht nur von den tageszeitlichen und jahreszeitlichen Frostwechseln abhängig, sondern auch von der Beschaffung der Gesteine.
 

Poröse und klüftige Gesteine erleichtern die Frostsprengung. Jüngere Basalte und Tuffe weisen noch zahlreiche Hohlräume auf und lassen sich leicht sprengen.  Leicht spalten sich auch die Rhyolithe entlang ihrer Fliesstexturen. Ältere Basalte in einer Säulenstruktur werden meist entlang der Säulenklüfte gesprengt. Wiederum andere alte Basalte haben eine massige Struktur. Ist das Wasser in einem solch starren Gestein eingeschlossen, so kann das Eis in seiner Volumenzunahme nicht entweichen. Man würde meinen, das Eis bliebe eingeschlossen. Doch in solchen Fällen entwickelt die Frostsprengung gewaltige Kräfte und kann auch solche Brocken zerstören.

Unter Kälte leiden besonders die rhyolithischen Gesteine. In den Felsritzen eingelagertes Wasser gefriert während den kalten Nächten und im Winter. Unter lauten Knalls werden die Felsen nach und nach in kleine Stücke gesprengt.

Halbiert hat die Frostsprengung diesen Felsbrocken. Einst floss hier der Gletscherfluss Jökulsá á Fjöllum durch, bevor er sein Bett weiter östlich verlegte. Aus jener Zeit stammen die Rundungen am Gesteinsbrocken, danach folgte die Frostsprengung.

Hübsche Kleinform durch Frostsprengung – Das Wasser gelangt in nahezu parallel verlaufende Ritzen und gefriert. Geschieht die Sprengung in einem moderaten Mass, so entstehen in «Scheiben geteilte Brotlaibe», die Trollbrote heissen. Angeblich gehören diese Brote den kleinen Kobolden auf Island, wenn man den Überlieferungen Glauben schenken darf.

 

Landschaften zerfallen
 

Schutthalden – Auf die Landschaften hat die Verwitterung einen wichtigeren Einfluss als mache denken. Das Ergebnis nach einer ersten Sprengung sind verschieden grosse und aufgeschlossene Gesteinsbrocken. Danach hat es der Frost deutlich einfacher, diese Gesteinsbrocken erneut zu sprengen. Im günstigen Fall werden die Gesteine kleiner und kleiner. Bald genügt die alleinige Schwerkraft der Erde, dass die Brocken langsam über die Jahre hinweg den Hang hinuntergleiten und sich unten am Berg sammeln. Geschieht diese Frostsprengung im grossen Stil, entstehen die für Island typischen rund 30 bis 35 Grad geneigten Schutthalden.
Der lose Fels bewegt sich langsam aber unermüdlich fort, so dass es die Pflanzen schwierig haben, im Boden zu wurzeln und die Bewegung zu stoppen.

Gefriert das Wasser in den Ritzen zwischen den einzelnen Säulen, so sprengt die Volumenzunahme des Eises den Fels an diesen Stellen. Die zerkleinerten Felsbro­cken fallen in die nächst tiefere Geländewanne oder auf den Talboden. Nahe des Hengifoss im Osten Islands.

Unter ihrem eigenen Gewicht rutschen und fallen die Gesteinsbrocken langsam die 30 bis 35 Grad steile Schutthalde im Vatnsdalsfjall im südlichen Hochland hinunter. Der ganze Hang ist gleichsam in Bewegung. Im losen Fels können keine Pflanzen wurzeln.

Ungleichmässige Frostsprengung – Weite Landschaften können durch Frostsprengung entstehen, wenn darin zwei oder mehr Gesteinsarten vorkommen, die der Frostsprengung unterschiedlich hohe Widerstandskräfte entgegensetzen. Die leichter zu sprengenden Gesteinsarten werden kleiner und kleiner, während die widerstandsfähigen den Kräften trotzen. Erfolgt das im grossen Stil, so werden die kleineren Gesteinsbrocken schon mal abtransportiert, während die widerstandsfähigen hartnäckig zusammen bleiben. Ein einzelner Basaltschlot kann so die Frostsprengung besser überstehen und wird zu einem Basaltkamin in einer weiten Umgebung, die mit kleinen Rhyolithen übersäht ist.

Ein Basaltkamin überragt das rhyolithische Grundgebirge im Lónsöræfi. Das Nebeneinander von Rhyolithen und Basalten führt in manchen Fällen zu einzigartigen Landschaften.

Bernhard-Pictures.com

Landschafts- und Siedlungsfotografie

Bernhard H. Knaus

Zelgmatt 9, 8132 Egg b. Zürich

E-Mail: benni-gabi.knaus@sunrise.ch

Phone: +41 44 984 27 03

Mobile: +41 76 392 65 52

www.bernhard-pictures.com

  • Facebook